Ich frage mich ernsthaft, wie lange wir Rüganer eigentlich noch die Nebenrolle auf unserer eigenen Insel spielen wollen. Die Diskussion um Busse, Bahn und Co. dreht sich hier doch immer wieder im Kreis, weil letztlich eine Sache nie offen angesprochen wird: Wir ersticken schlichtweg im Fremdenverkehr. Kein Wunder, dass die Taktungen im Sommer aus den Fugen geraten – die Busse quellen über, während im Winter wieder die Signallichter flackern, wenn überhaupt mal einer fährt. Wer regelmäßig pendelt oder schlicht zum Arzt muss, steht entweder zwischen schreienden Touristenkindern oder friert sich den Hintern ab, weil für die Einheimischen in der Nebensaison angeblich „keine Nachfrage“ herrscht. Wer entscheidet sowas eigentlich – irgendwelche Planer, die Rügen nur vom Prospekt kennen?
Das Problem ist, dass sämtliche Verkehrsströme und Fahrpläne hier auf diese verdammte touristische Maximalauslastung zugeschnitten werden. Alles muss für die Horden passen, aber für uns bleibt nichts übrig außer Stau und ein Hauch von Busfahrplan, der so flexibel wie ein Betonpoller ist. Und dann kommen noch so absurde Ideen wie das LNG-Terminal in Mukran dazu – die Insel wird immer weiter mit Großprojekten zugepflastert, von denen die Einwohner rein gar nichts haben, außer noch mehr Verkehr, Dreck und Lärm… Ich frag mich echt, wer die vermüllten Strände nach Saisonende jemals wieder sauber macht – sicher nicht die, die hier ihre Fotos schießen und dann wieder abhauen.
Vielleicht wäre es an der Zeit, mal den Spieß umzudrehen, den Verkehrsplanern die Leviten zu lesen und klar: endlich eigene Rügener Bedürfnisse durchzusetzen. Ich sage: Weniger Kapazität für Massentourismus, mehr für die, die tatsächlich hier leben. Warum nicht mal den Busfahrplan so gestalten, dass er sich an den Schulwegzeiten, Arztbesuchen, Arbeitszeiten orientiert – und Touristen müssen dann halt auch mal warten, wie wir! Klingt hart – ist aber unsere Heimat, kein Freizeitpark für Festland-Flüchtlinge.