Manchmal frage ich mich, ob nicht gerade die scheinbar „geschichtsleeren“ Orte auf Rügen eigene, stille Geschichten erzählen… Ich meine, die dampfenden Kreideklippen am frühen Morgen oder das endlose Rauschen der Bäume im Buchenwald bei Jasmund – das ist keine klassische „historische Stätte“, klar, aber irgendwie spürt man da tief drunter die uralten Schichten, aus denen diese Insel gebaut ist. Bin mir da selbst nicht sicher, aber vielleicht liegt so ein Mehr an Geschichte zwischen den Ritzen der Natur, als all die erklärenden Tafeln in den Museen vermitteln können.
Was mich auch fasziniert: Die alten Militäranlagen aus dem Kalten Krieg, irgendwo im Gestrüpp bei Mukran oder Dranske – da ragt mal ein rostiges Tor aus dem Gebüsch, ein paar Betonreste, und die Möwen schreien drüber hinweg. Es ist kaum was beschriftet, eher so wie ein Rätsel… Wer sich darauf einlässt, steht plötzlich zwischen den Zeitschichten und fragt sich fast automatisch, wie viele Geschichten hier überhaupt noch verborgen sind. (Oder bilde ich mir das bloß ein?)