Also, wenn es um Vogelbeobachtung auf Rügen geht, dreht sich bei ganz vielen erstmal alles um Nationalpark Jasmund – klar, da gibt’s die berühmten Kreidefelsen, und die alten Buchenwälder sind als Lebensraum wirklich nicht zu unterschätzen. Was aber die wenigsten wissen: Auch entlang der Steilküste zwischen Sassnitz und Lohme trifft man regelmäßig auf spektakuläre Vogelarten, vor allem Greifvögel wie Seeadler oder Mäusebussarde, die die Thermik nutzen. Ich hab selbst schon im Frühjahr mit dem Fernglas an den Rändern der Buchenwälder gestanden und war überrascht, wie nah manche Tiere kommen… Ein echter Tipp ist am Rand der Saison, etwa im April/Mai oder dann wieder September/Oktober, wenn die Zugvögel unterwegs sind. Da kann’s morgens und abends ordentlich was zu sehen geben, besonders mit ein bisschen Geduld.
Für Geheimtipps würde ich mal den alten Fährhafen Mukran erwähnen – nicht unbedingt schön, aber wegen des angrenzenden Sumpf- und Schilfgürtels sind dort regelmäßig Limikolen und Wasservögel zu beobachten. Obwohl ich, ehrlich gesagt, aktuell ziemlich besorgt wegen dem LNG dort bin… Das strt das sensible Gebiet meiner Sicht nach massiv. Nicht umsonst sieht man dort gerade im Frühjahr die Ornithologen mit dicken Stativen, die seltenen Durchzügler dokumentieren. Ob das in ein paar Jahren noch möglich ist… bin mir da unsicher, aber ehrlich gesagt eher pessimistisch.
Nochmal zu den Nachtbeobachtungen, wie gregor23 es angesprochen hat: In Richtung Lohme, im Bereich der alten Alleen und Waldränder, hört man im Frühjahr und Frühsommer fast jede Nacht Käuze und mit etwas Glück sogar den Waldkauz. Ich hab mal versucht, eine kleine Exkursion zu organisieren, aber die Resonanz war eher mäßig – vielleicht weil viele unterschätzen, wie besonders so ein nächtlicher Wald auf Rügen ist. Es braucht tatsächlich kein großes Equipment: Stirnlampe (am besten Rotlicht), warm anziehen und wirklich still sein. Ein ganz einfaches Diktiergerät kann schon reichen, um Stimmen aufzunehmen und später zu bestimmen. Aber auch hier – leise bewegen, sonst ist nach fünf Minuten alles verstummt.
Allgemein gilt: Die meisten Touren laufen tagsüber ab, gerade im Frühjahr und Herbst bieten die Nationalparkzentren in Sassnitz und Prora geführte Vogelwanderungen an. Bin aber auch der Meinung, dass die schönsten Beobachtungen oft abseits der großen Gruppen gelingen. Wer Glück hat, sieht in den frühen Morgenstunden im Südosten – zwischen Binz und dem Mönchgut – Kraniche und Gänse im Aufbruch. Manchmal auch Seeadler, die sich ihr Frühstück holen… Fast schon schade, dass das viele gar nicht mitkriegen, die hier Urlaub machen. Ich freu mich jedenfalls immer, wenn Besucher diese Seite der Insel entdecken und mal nicht nur nach Strand und Promenade fragen. Irgendwie gibt’s da noch viel zu vermitteln, denke ich…