Mir geht’s ähnlich wie dir, Henrika, besonders wenn ich in Sellin unterwegs bin – da schwappt Plattdeutsch manchmal so unverhofft ans Ohr, fast wie eine Welle, die kurz ans Ufer rollt und dann wieder verschwindet. Ich hab das Gefühl, das lebt ganz stark im Alltag weiter, nur eben oft versteckt oder „zwischen den Zeilen“. Besonders ältere Insulaner treffen sich noch regelmäßig und babbeln miteinander, meistens aber ganz ungezwungen und nicht extra für Touris oder Events.
Was mir aufgefallen ist: Platt klingt auf Rügen oft ganz anders als auf dem Festland, so mit diesem weichen Tonfall… so richtig schön gemütlich. Ich hab ein paar Mal im Sommer am Steg den Fischern zugehört, wenn die so vor sich hin schnacken – da kommt sofort Heimatgefühl auf, auch wenn ich selbst zugegebermaßen immer noch nicht alles verstehe. Manchmal mischen die auch mit Hochdeutsch, als ob sie zeigen wollen: Wir können beides, und zwar ziemlich locker. 🙂
Zur Frage mit den Kursen oder Initiativen: Ja, gibt’s! In Baabe oder Bergen finden ab und zu kleine Abende statt, meistens von Heimatvereinen organisiert, wo sich Plattfreunde treffen, Geschichten erzählen oder sogar Lieder singen. Und ein, zwei Lehrerinnen versuchen an manchen Schulen, wenigstens spielerisch ein bisschen Plattdeutsch zu vermitteln. Digitale Kurse hab ich auch schon gesucht – es gibt vereinzelt Apps und Hörbuch-Angebote, aber richtig lebendig wird’s irgendwie erst, wenn man die Leute live trifft… Sprache ist halt mehr als Wörter pauken, irgendwie auch Gefühl und Mimik und all dsa.
Was mich interessieren würde: Hat jemand von euch mal das Gefühl gehabt, der Dialekt verändert sich? Also so mit Anglizismen oder modernen Begriffen… Ich hab den Eindruck, manchmal „schleichen“ sich neue Wörter rein, was ja vll ganz normal ist. Aber manchmal klingt Platt dann plötzlich ganz anders als bei meiner Oma früher. Ob das wohl eher lebendig ist oder schon der Anfang vom Verschwinden?