… anfällig für politische Entscheidungen, internationale Krisen und einzelne Großprojekte. Wenn eine Fährverbindung wegfällt oder ein Energietechnik-Auftrag ausbleibt, merkt man wahrscheinlich schnell, wie stark solche Standorte von überregionalen Entwicklungen abhängen. Das ist ein anderer Typ Wirtschaft als der kleinteilige Fremdenverkehr auf Rügen.
Spannend finde ich auch, dass die alte Funktion noch sichtbar bleibt: breite Gleisanlagen, Hafenbecken und die Ausrichtung auf den Güterverkehr erzählen weiterhin von der Zeit, als Mukran vor allem als Verbindung zur Sowjetunion gedacht war. Heute werden dieselben Flächen teilweise ganz anders genutzt. So eine Umnutzung ist ja fast schon ein eigenes Kapitel Industriegeschichte.
Bei einem Besuch dort hatte ich den Eindruck, dass der Hafen viel abgeschlossener wirkt als die touristischen Orte der Insel – weniger Promenade, mehr Betriebsflächen, Zäune und Lkw-Verkehr. Gerade deshalb wäre interessant, wie die Menschen in Sassnitz und Umgebung den Hafen wahrnehmen: eher als wichtigen Arbeitgeber mit Zukunft oder als Fremdkörper, der mit dem Bild der Insel nicht recht zusammenpasst?
Und beim Thema Bahn stellt sich für mich die Frage, ob Mukran sein Potenzial wirklich ausschöpft. Eine bessere Schienenanbindung könnte den Schwerverkehr auf den Straßen begrenzen und zugleich an die historische Rolle des Hafens anknüpfen.