Bei micholls’ Satz vom „Duft von geräuchertem Fisch und der salzigen Brise“ bin ich sofort dabei. In Lauterbach, Sassnitz oder auch in den kleineren Häfen bekommt man oft die besten Fischbrötchen und Räucherfische – nicht unbedingt dort, wo die größte Leuchtreklame hängt. Bückling, Makrele oder ein ordentliches Matjesbrötchen gehören für mich einfach zu einem Rügenbesuch. Aal ist natürlich eher etwas für Liebhaber, und beim Kauf würde ich auf die Herkunft achten.
Was viele unterschätzen: Rügen hat kulinarisch auch eine starke Geschichte als Bauern- und Gutsherreninsel. Kartoffeln, kräftiges Schwarz- oder Sauerteigbrot, Rapsöl, Wild und Schafskäse passen viel besser zur Insel als irgendwelche künstlich aufgepeppten „Nordic“-Gerichte. Labskaus ist übrigens kein exklusives Rügener Gericht, sondern ein altes Seefahreressen aus dem gesamten norddeutschen Raum – probieren sollte man es trotzdem, wenn es gut gemacht ist.
Bei dem Café in Lohme wäre ich allerdings ein bisschen vorsichtig mit der Aussage, es arbeite „fast ausschließlich“ mit Produkten aus dem Nationalpark. Pilze und Kräuter darf man dort nicht einfach gewerblich sammeln; im Nationalpark gelten dafür sehr strenge Regeln. Vielleicht stammen die Zutaten aus privaten Flächen oder von regionalen Lieferanten. Gerade am Königsstuhl würde ich außerdem eher ein Stück Kuchen mit Blick auf die Kreideküste empfehlen als irgendwelche großspurigen Regionalversprechen.
Für Cafés mag ich persönlich die ruhigeren Ecken von Putbus und die alten Bäderorte jenseits der Hauptpromenade. In Sellin oder Binz lohnt es sich, ein paar Straßen zurückzugehen – dort sitzt man meist entspannter und zahlt nicht nur für den Meerblick. Kennt jemand ein wirklich gutes Café in Putbus oder einen Hofladen mit überzeugendem Schafskäse? Da bin ich immer auf der Suche.