Der Rasende Roland: Zeitreise auf 750 Millimetern

  • MarioBielitz hat einen neuen Artikel veröffentlicht:

    MarioBielitz
    17. Juni 2026 um 21:34

    Zitat
    Einsteigen, Türen schließen, Vorsicht bei der Abfahrt! Der „Rasende Roland“ ist weit mehr als eine nostalgische Schmalspurbahn – er ist das schnaufende, stählerne Herz von Rügen. In diesem Beitrag tauchen wir tief in die bewegte Geschichte der Rügenschen Bäderbahn ein. Von der genialen Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts über skurrile Bergbau-Sagen bis hin zu exklusiven Geheimtipps für das perfekte Dampflok-Foto. Erfahre, warum Wismut-Kumpel dem Zug seinen Namen gaben, wie eine Fahrt durch die mystische Granitz alle Sinne weckt und wo sich auf der Insel Realität und Mythos auf faszinierende Weise kreuzen.
  • Zum Rasenden Roland gehört für mich aber genau diese Mischung aus Technik- und Inselgeschichte: 750 Millimeter Spurweite, die alten Bahnhöfe und dann das langsame Bimmeln durch Wälder und Dörfer bis nach Göhren. Besonders schön finde ich die Strecke ab Putbus, wenn morgens noch kaum jemand unterwegs ist.

    Ich bin die Strecke schon öfter mit dem Rad begleitet – zwischen Seelvitz und Baabe gibt es immer wieder gute Stellen für Fotos, vor allem wenn der Dampf zwischen den Kiefern hängt. Kennt jemand die Geschichte der Strecke oder hat alte Aufnahmen vom Roland aus DDR-Zeiten?

  • Die 750 Millimeter sind wirklich der rote Faden der ganzen Geschichte. Die Rügensche Kleinbahn wurde ab 1895 in Betrieb genommen, zunächst Richtung Binz, später dann über Sellin bis Göhren. Der „Rasende Roland“ war ja ursprünglich kein Ausflugszug, sondern sollte Dörfer, Güter und Häfen miteinander verbinden. Deshalb liegen die Bahnhöfe auch oft so selbstverständlich mitten in den Orten.

    Aus DDR-Zeiten kenne ich vor allem die Bilder mit den eher nüchternen Reichsbahn-Wagen und den Werktätigen auf dem Bahnsteig – daneben lief der Dampfbetrieb aber erstaunlich beständig weiter. Gerade das macht den Unterschied zu heute aus: damals war die Kleinbahn Verkehrsmittel, heute ist sie fast schon ein fahrendes Denkmal. Die alten Bahnhofsgebäude, etwa in Seelvitz oder Baabe, erzählen davon noch mehr als die Lokomotiven selbst.

    Die Strecke zwischen Seelvitz und Baabe ist zum Radfahren tatsächlich ideal, wobei ich den Abschnitt durch die Granitz fast noch schöner finde. Mit dem Rad kann man den Zug ein paarmal überholen, ohne dass es in Stress ausartet – und an den Feldwegen bei Seelvitz bekommt man oft bessere Fotos als direkt am Bahnsteig. Nur bei den unbeschrankten Übergängen sollte man wirklich langsam machen, da kommt der Roland trotz seines Namens ziemlich leise daher.

  • Genau dieser Alltagsaspekt geht heute gern etwas verloren. Der Roland war kein Museumszug, sondern eine richtige Kleinbahn für den Inselverkehr. Zur Rügenschen Kleinbahn gehörten neben der Südstrecke auch die Verbindung über Bergen nach Altenkirchen und die Anbindung an die Wittower Fähre. Damit kam man tatsächlich einmal quer über die Insel – inklusive Zug auf die Fähre, was betrieblich schon eine ziemlich besondere Lösung war.

    Die Strecke Putbus–Binz wurde 1895 eröffnet, die Verlängerung über Sellin nach Göhren folgte 1899. Und die Bahnhöfe mitten in den Orten waren kein Zufall: Neben Urlaubern wurden Kartoffeln, Holz, Vieh und Stückgut befördert. In Göhren sieht man das noch ganz gut an der großzügigen Gleisanlage, die für einen reinen Ausflugsverkehr eigentlich überdimensioniert wäre.

    Bei den DDR-Aufnahmen finde ich gerade die Mischung interessant, die hansamlaufen erwähnt: Reichsbahn-Normalität mit grauen Wagen, Koffern und Werktätigen, aber eben weiterhin Dampfloks im täglichen Einsatz. Der heutige Museumscharakter entstand ja erst später. Nach der Stilllegung vieler Inselstrecken blieb die Verbindung Putbus–Göhren erhalten, und daraus entwickelte sich dann zunehmend der touristische „Rasende Roland“.

    Die Wittower Fähre ist für mich dabei fast das fehlende Kapitel in vielen Roland-Geschichten. Auch wenn dort heute keine Eisenbahn mehr übersetzt, zeigt sie, wie eng Bahn und Fährverkehr auf Rügen einmal zusammengehörten.

  • Die Geschichte mit dem Zug auf der Wittower Fähre finde ich auch immer wieder erstaunlich – heute kaum vorstellbar, dass eine Bahn samt Wagen übers Wasser gesetzt wurde. Viele Urlauber kennen vom Roland ja nur Putbus–Göhren und wundern sich dann, wie weit das frühere Kleinbahnnetz eigentlich reichte. Für mich gehört genau dieses „mitten durchs Dorf“-Fahren dazu; wenn in Seelvitz oder Baabe die Schranke runtergeht, fühlt sich das trotz Touristenandrang noch ein bisschen nach Alltagsbahn an.

    Alte Fotos aus DDR-Zeiten würden mich ebenfalls interessieren, besonders von den kleinen Bahnhöfen und den Güterzügen. Weiß jemand, wann die Verbindung zur Wittower Fähre endgültig eingestellt wurde?

Werde Teil der digitalen RügenGemeinschaft!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!