Eingewanderte Arten: Eine Bedrohung für Rügens Ökosystem?

  • Eingewanderte Arten, auch als invasive Spezies bekannt, stellen oft eine Bedrohung für die heimische Flora und Fauna dar. Welche spezifischen Auswirkungen haben diese Arten auf das Ökosystem von Rügen? Gibt es bereits Maßnahmen zur Kontrolle oder Bekämpfung dieser invasiven Spezies auf der Insel, und wie effektiv sind diese? Ich würde gerne wissen, wie groß das Bewusstsein für dieses Thema ist und welche Strategien zur Erhaltung der lokalen Biodiversität bereits umgesetzt werden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    computer11

  • Find die asiatische Wollhandkrabbe is’n echtes Problem – frisst irgendwie alles weg, was ihr vor die Scheren kommt… Bin mir grad nicht sicher, ob’s schon gezielte Aktionen gegen das Viech gibt auf Rügen, vielleicht weiß da wer mehr?

  • Also mal ehrlich, als ob wir das Ruder noch groß rumreißen würden… Diese eingeschleppten Viecher – Pflanzen, Tiere, Pilze, was auch immer – sind doch eh schon überall in jedem zweiten Gebüsch oder Bach zu finden. Man hätte halt vor Jahrzehnten mit dem ganzen globalen Gekurbel mal anfangen müssen aufzupassen, aber jetzt? Jetzt sitzt der Waschbär schon gemütlich im Dachboden und lacht sich eins.

    Nehmen wir z.B. die Kanadische Goldrute auf Rügen… wächst gefühlt schneller als man gucken kann, schön gelb, aber im Prinzip verdrängt dsa alles andere, was da vorher so an Blumen rumstand. Oder halt diese Spanische Wegschnecke – da bleibt dann von so mancher Gartenpflanze ja nicht mal die Erinnerung. Ist jetzt vielleicht ne blöde Frage, aber: Wer soll denen denn ernsthaft noch Einhalt gebieten? Ein paar Naturschützer reißen vergeblich Unkraut, während irgendwo im Hafen die nächsten Exoten anlanden.

    Oder diese ganzen hübschen Schildkröten, die Leute „aussetzen“, weil sie zu groß für die Badewanne werden… Die machen doch im Teich kurzen Prozess mit allem, was klein und langsam ist, und der Frosch kann seinem Nachwuchs eigentlich schon direkt Tschüss sagen. Abgesehen davon fehlt irgendwie der ganz große Aufschrei, weil viele denken: „Och, ist doch nett, so eine Goldrute. Und die süße Waschbär-Maske!“ Naja, wenn der Waschbär dann aus Not den Müll plündert, isses wieder nicht recht… Menschen halt.

    Frage mich ernsthaft – gibt’s überhaupt irgendwo auf der Insel eine Stelle, wo noch keiner dieser unfreiwilligen Einwanderer ihr Unwesen treibt? Oder hangeln wir uns nur noch von Schadensbegrenzung zu Schadensbegrenzung und schauen zu, wie Biodiversität zum Museumsstück verkommt? Wer glaubt hier eigentlich noch, dass einzelne „Maßnahmen“ langfristig was retten, ehrlich gesagt?

  • Mich würde mal interessieren, ob es schon Versuche gab, die Auswirkungen von Neobiota mit smarter Technik zu dokumentieren – z.B. per App-Erhebung von Standorten, wo jemand Waschbär, Goldrute & Co. gesichtet hat. Mit ein paar motivierten Leuten, GPS und bisschen Handyklickerei könnte man doch halbwegs flott karten, wie sich die invasiven Arten auf Rügen tatsächlich ausbreiten… Dann hätte man harte Daten, statt nur Bauchgefühl oder Anekdoten, und sowas hilft beim Eindämmen oder zumindest gezielt Hinweisen für Maßnahmen.

  • Mir ist beim letzten Spaziergang rund um das Selliner Seeufer mal wieder aufgefallen, wie schnell sich die Kanadische Goldrute überall breit macht... Die wächst tatsächlich an jeder Ecke und verdrängt das, was ich noch aus Kindertagen als "typisch rügener Blumen" abgespeichert hab. Find das manchmal schon befremdlich – ist zwar hübsch gelb, aber irgendwie auch traurig, wenn dann im Spätsommer die Wiesen alle gleich aussehen. Bin mir nicht sicher, ob die Gemeinden da wirklich systematisch was gegen machen oder ob das mehr so nebenbei läuft, wenn’s z.B. eh Mäharbeiten gibt.

    Was mich ein bisschen überrascht hat: Am Strand von Baabe hab ich letztes Jahr tatsächlich einen Waschbär gesehen! Ich dachte erst, das ist vll einfach ein verirrter Marder, aber war ganz klar gestreifter Schwanz und die typische "Räuber-Maske". Die Fischer da haben später erzählt, dass es wohl schon öfter Sichtungen gab – und angeblich graben die Waschbären sogar schon Vogelnester im Dünenbereich aus. Irgendwie verrückt – vor 20 Jahren hätte wohl niemand damit gerechnet… Nur hab ich keine Ahnung, ob es da gezielte Maßnahmen gibt oder ob man das Problem einfach hinnimmt.

    Die Idee von wernergross mit der Kartierung per App find ich total spannend! Stell mir das gar nicht so schwer vor: Jeder, der was auffälliges sieht, macht ein Foto, Standort dazu, fertig. Aber ob genug Leute Lust hätten, da wirklich mitzumachen? Grade im Sommer, wenn eh viele Touristen unterwegs sind, ließe sich das vielleicht koppeln – Info-Tafeln am Wanderweg, QR-Code scannen, Sichtung hochladen. Bin aber selbst unsicher, ob sowas dann wirklich von den Verantwortlichen genutzt würde oder bloß “für die Statistik” irgendwo rumliegt.

  • Mir ist aufgefallen, dass gerade auf Rügen die Kombination aus Klima, Tourismus und der vielen Schifffahrt wie ein Magnet für eingeschleppte Arten wirkt – da reicht manchmal schon ein bisschen Containerschlamm oder ne Pflanze im Camper, und schwupps, wuchert es in der Nähe vom Fährhafen Sassnitz… Was ich spannend fände: Warum nicht mal die lokalen Angelvereine, Hobby-Gärtner und vielleicht sogar Feriengäste miteinbeziehen? Mit ein bisschen technischer Hilfe, z.B. QR-Codes an Wanderwegen oder einer simplen Meldeplattform à la "Neobiota-Detektiv", könnte man Sichtungen fast spielerisch sammeln und gleich mit Fotos belegen – sowas läuft auf Rügen ja oft besser, wenn’s eh mit’m Spaziergang oder Angelausflug verknüpft ist.

    Musste eben kurz meine Brille suchen – lag natürlich genau vor mir auf dem Schreibtisch. 🤓

    Wie könnten wir eurer Meinung nach die vielen Einheimischen und Gäste gezielt motivieren, beim Erkennen und Melden von invasiven Arten aktiv mitzumachen – vielleicht sogar mit kleinen Belohnungen oder Community-Ranglisten?

  • Mir ist auf Rügen auch schon öfter aufgefallen, wie sehr sich diese „fremden“ Arten ins Landschaftsbild geschlichen haben – gerade an den Rändern der Felder oder rund um die alten Baggerseen… Da sieht man die Kanadische Goldrute überall, und wenn man ein bisschen die Augen aufmacht, entdeckt man auch ständig Spuren der Waschbären (leider manchmal auch deren Hinterlassenschaften). Besonders ärgerlich find ich, dass viele Touristen so gar kein Gefühl dafür haben, was sie vielleicht unbeabsichtigt einschleppen. Einmal ein bisschen Erde am Fahrradreifen vom Festland und schwupps, hat man gleich neue Pflanzen am Start.

    Was mich noch beschäftigt: Die Rüganer selbst sind ja manchmal recht eigen, besonders wenn’s ums „eigene“ Grünzeug geht – ich hab das Gefühl, dass sie bei der Bekämpfung von Neobiota eher skeptisch oder zurückhaltend sind, zumindest in den Dörfern, in denen ich öfter Urlaub mache. Vielleicht fehlt da ein bisschen die Aufklärung oder auch das Gemeinschaftsgefühl mit den „Zugezogenen“ – ich mein, wenn schon bei den Menschen Vorbehalte sind, wie klappt dann die Zusammenarbeit bei solchen Umweltthemen?

    Mich würd interessieren: Glaubt ihr, dass sich die Rüganer und die vielen Urlauber wirklich zu gemeinsamen Aktionen überreden lassen – oder bleibt das weiter so ein Problem, was jeder für sich einzeln rumwurschtelt?

  • Mir fällt auf, dass es auf Rügen echt an einer zentralen Strategie mangelt, wenn’s um invasive Arten geht – das läuft oft eher nach dem Motto „mitmähen, wenn eh schon was gemacht wird“ oder Einzelaktionen durch Privatleute und Vereine. Dabei wären gerade für so eine Insel gezielte, wiederkehrende Aktionen mehr als sinnvoll. Was mir fehlt, ist ein Koordinator – also eine Art Schnittstelle zwischen Behörden, Umweltinitiativen, Schulen und Touris. Die könnten z.B. im Frühling und Spätsommer gezielte „Neobiota-Tage“ ausrufen: Goldrute rausziehen (ohne dabei alles andere zu zerpflügen), Müll sammeln und gleichzeitig Infos zu Küstenschutz, Seegraswiesen usw. vermitteln. Das könnte durchaus Spaß machen – und Urlauber oder Schüler kriegt man bei gutem Wetter immer irgendwie aktiviert.

    Der Punkt mit smarter Technik, den wernergross angesprochen hat, ist auch ziemlich spannend. Es gibt ja mittlerweile ein paar einfache Apps, mit denen man Sichtungen direkt auf einer Karte eintragen kann. Manche Naturparks in Skandinavien arbeiten schon länger mit sowas – das erhöht tatsächlich das Problembewusstsein und zeigt, wo’s „brennt“. Vielleicht könnte man ein Pilotprojekt auf Rügen starten, in Zusammenarbeit mit lokalen Hochschulen oder Umweltgruppen? Daten aus erster Hand helfen, die schlimmsten Hotspots zu finden – dann weiß das Bauhof-Team auch deutlich gezielter, wo sich ein Einsatz überhaupt lohnt.

    Was ich allerdings immer wieder merke: Das Thema invasive Arten ist für viele Einheimische eher so’n Randthema, solange es nicht direkt Garten, Haustiere oder Fischfang betrifft. Dabei wird unterschätzt, wie sehr z.B. die Kanadische Goldrute oder der Waschbär die heimische Tier- und Pflanzenwelt langfristig verändern. Vielleicht müsste man viel stärker in die Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung gehen – Flyer, Infoabende, Aufsteller an Wanderwegen. Am Ende hilft’s nicht, wenn nur ein paar Engagierte Bescheid wissen, während der Rest die gelben Blüten im Spätsommer für „typisch Rügen“ hält.

  • Also hab ich letztens beim Pilze sammeln gemerkt: Diese spanischen Wegschnecken sind echt zäh… die kriechen durch jede feuchte Ecke, egal wieviel man absammelt. Und irgendwie hat das auch was von nem Strategiespiel – als würde man gegen ’ne endlose KI-Armee spielen und man ist immer ’nen Zug zu spät 😅

    Was mir dazu einfällt: Vielleicht wär’s gar nicht so schlecht, invasive Arten nicht nur als „Bedrohung“ zu sehen, sondern vll auch als Teil von was Neuem? Klar, will jetzt keinen Goldrutengarten, aber irgendwann passt sich ja auch das Ökosystem an, oder? Vielleicht entstehen ja sogar neue Nischen oder es tauchen Tiere auf, die sich drauf spezialisieren…

  • Wie die Leute vor 100 Jahren auf Rügen wohl darüber geredet hätten... Damals war das Thema „eingeschleppte Arten“ ja praktisch unbekannt, heute ist’s an jeder Ecke spürbar. Bei uns im Binzer Forst merk ich zum Beispiel bei meinen morgendlichen Hunderunden, dass die Kanadische Goldrute und das Drüsige Springkraut inzwischen fast so selbstverständlich sind wie das Heidekraut selbst – aber eben nicht dasselbe.

    Was viele vergessen: Es verändert nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die Geschichten, die wir uns über unsere Heimat erzählen. Früher war es die Kornrade, heute ist’s halt das goldene Band der Goldrute. Ich find, ohne lokale Geschichtenerzähler und engagierte Leute aus den Dörfern wird das Thema gern nur technisch angegangen (Stichwort Apps, Datenerhebung, QR-Codes – alles schön und gut), aber das „Gefühl“ für das Eigene geht dabei manchmal flöten...

  • Dieses „irgendwann passt sich das Ökosystem schon an“ klingt ein bisschen nach: Wenn das Haus brennt, nennen wir es einfach neue Raumtemperatur. Natürlich wird sich irgendwas anpassen – die Frage ist nur, ob dann noch seltene Küstenpflanzen, Amphibien und Bodenbrüter übrig sind oder hauptsächlich Goldrute, Waschbär und Schneckenbuffet. Man sollte aber auch nicht jede fremde Pflanze gleich zum Endgegner erklären: Entscheidend sind Ausbreitung, Schaden und ob Bekämpfung überhaupt realistisch ist.

    Viel sinnvoller wäre eine öffentliche Karte mit bestätigten Funden, Zuständigkeit und Prioritäten – statt zehn gut gemeinter Rupfaktionen ohne Nachkontrolle. Gerade an Häfen, Straßenrändern, Baggerseen und Naturschutzgebietsgrenzen könnte man gezielt beobachten. Wer würde so eine Meldestelle tatsächlich nutzen: Spaziergänger mit Handyfoto oder endet das wieder bei einer Excel-Tabelle im Amt, die niemand findet?

  • Die öffentliche Karte fänd ich richtig hilfreich – gerade mit Fotos, Funddatum und einer Einschätzung, ob Handeln nötig ist oder nicht. Beim Laufen im Binzer Forst und an den Boddenwegen sehe ich oft Stellen, an denen sich Goldrute oder Springkraut über Jahre ausbreiten, ohne dass klar ist, wer zuständig ist. Eine Karte könnte auch zeigen, ob eine Aktion wirklich was gebracht hat oder nur einmal kurz „aufgeräumt“ wurde.

    Wichtig wäre nur, dass nicht jeder einzelne Waschbär gleich als Notfall landet. Vielleicht drei Stufen: beobachten, eindämmen, sofort melden – etwa bei Vorkommen in Schutzgebieten. Und die Meldung sollte per Handy unkompliziert sein, sonst macht’s am Ende keiner.

  • Die Karte wäre für Jasmund wirklich sinnvoll, aber sie müsste mit Prioritäten verknüpft sein. Ein Fund an einem Straßenrand ist etwas anderes als Goldrute oder Springkraut am Rand eines Kalktrockenrasens oder in einer feuchten Senke bei Sassnitz. Sonst sammelt man nur Punkte, ohne dass daraus ein Einsatz folgt. Drei Stufen wie „beobachten, eindämmen, sofort handeln“ finde ich dafür passend.

    Wichtig wäre außerdem ein Feld für Wiederholungskontrollen: Wer hat wann gemäht oder gezogen, und war die Stelle ein Jahr später wirklich kleiner? Gerade bei Springkraut bringt eine einmalige Aktion wenig. Vielleicht könnte man mit einem kleinen Pilotgebiet im Nationalpark-Umfeld starten, statt gleich ganz Rügen abzubilden. Und bei Meldungen aus Privatgärten sollte auch gleich auf die Entsorgung von Schnittgut hingewiesen werden – da beginnt die Ausbreitung oft erst.

  • Die drei Stufen plus Wiederholungskontrolle halte ich für viel sinnvoller als reine Fundzahlen. Gerade bei Goldrute und Springkraut sollte man aber nicht einfach überall losschneiden: Mahdgut kann Samen verschleppen, und bei größeren Beständen braucht es Nachkontrollen über mehrere Jahre. In Schutzgebieten wären sensible Lebensräume wie Kalktrockenrasen, Feuchtwiesen und Dünen klar zu priorisieren – dort ist der mögliche Schaden größer als am Straßenrand.

    Für die Karte wäre außerdem wichtig, zwischen beobachtet und bestätigt zu unterscheiden, idealerweise mit Foto und ungefährer Flächengröße. Vielleicht könnte die Biosphärenverwaltung oder der Landkreis die Meldungen bündeln und bei „sofort handeln“ direkt eine zuständige Stelle hinterlegen. Weiß jemand, ob es auf Rügen schon eine offizielle Meldemöglichkeit gibt, oder läuft das bisher eher über einzelne Naturschutzgruppen?

  • Die Priorisierung finde ich entscheidend. Auf meinen Radtouren zwischen Putbus, Lauterbach und den Bodden sehe ich Goldrute und Springkraut oft an Gräben, Wegrändern und auf brachliegenden Flächen. Das ist erstmal etwas anderes als ein Bestand mitten im Schutzgebiet. Problematisch wird es dort, wo durch die dichten Bestände kaum noch heimische Pflanzen hochkommen oder offene, magere Flächen zuwachsen.

    Bei einer Karte sollte deshalb nicht nur der Punkt zählen, sondern auch der Lebensraum daneben: Kalktrockenrasen, Feuchtwiese, Dünenbereich, Waldrand usw. Dazu vielleicht noch die Ausbreitungsrichtung. Gerade an Wegen und Gräben merkt man, wie Samen weitergetragen werden – durch Mähgeräte, Hochwasser oder einfach entlang der viel genutzten Strecken. Ein Foto vom gleichen Standort nach einem Jahr wäre wahrscheinlich aussagekräftiger als zehn neue Fundmeldungen.

    Was mir außerdem fehlt, ist eine einfache Möglichkeit für Privatleute und Zweitwohnungsbesitzer, Gartenabfälle richtig loszuwerden. Wenn Springkraut oder Goldrute nach der Gartenpflege im Straßengraben landen, hat man den nächsten Bestand praktisch schon angelegt. Da wären klare Hinweise an Wertstoffhöfen, in Gemeinden und vielleicht auch an den beliebten Radwegen sinnvoll. Beim Waschbären sehe ich es ähnlich wie die anderen: melden und beobachten ja, aber nicht jede Sichtung gleich als ökologische Katastrophe behandeln.

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