Hintergrund & Entstehung / Geschichte
- Fürstliche Bauherren: Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus ließ das Jagdschloss zwischen 1837 und 1846 anstelle eines älteren Jagdpavillons errichten. Es diente der fürstlichen Familie nicht als ständiger Wohnsitz, sondern als repräsentative Kulisse für herrschaftliche Jagdausflüge und den Empfang hochrangiger Staatsgäste.
- Architektur im Stil der Romantik: Die Entwürfe stammten vom Berliner Architekten Johann Gottfried Steinmeyer, der sich an Renaissance-Kastellen und norditalienischer Wehrarchitektur orientierte. Das zweigeschossige Gebäude besitzt vier zinnengekrönte Ecktürme und verputzte Außenmauern in warmem Terrakottaton.
- Der Mittelturm & Schinkels Meisterwerk: Der dominierende, 38 Meter hohe Mittelturm wurde nachträglich auf Anregung und nach Plänen des berühmten preußischen Oberlandesbaudirektors Karl Friedrich Schinkel integriert. Im Inneren windet sich eine spektakuläre, freitragende Wendeltreppe aus filigran durchbrochenem Gusseisen (154 Stufen), die ohne Mittelpfeiler an der gemauerten Turminnenwand verankert ist.
- Historische Wende & Gegenwart: Nach der Enteignung der Fürstenfamilie 1945 durch die Bodenreform wurde das Schloss geplündert, Teile des Inventars gingen verloren. Später als Museum und Gaststätte genutzt, gehört das denkmalgerecht sanierte Schloss heute den Staatlichen Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern und zieht jährlich über 200.000 Besucher an.
Standort / Wo auf Rügen zu finden
| Merkmal | Details & Orientierung |
|---|---|
| Geografische Lage | Waldgebiet Granitz, Gemeinde Binz / Lancken-Granitz, Südost-Rügen |
| GPS-Koordinaten | 54.3797° N, 13.6283° E (Tempelberg) |
| Öffentliche Verkehrsmittel | Bahnhof Jagdschloss an der traditionsreichen Schmalspurbahn „Rasender Roland“ (von dort ca. 1 km Fußweg durch den Buchenwald). |
| Wanderbezug | Zentraler Kreuzungspunkt im Wander- und Radwegenetz der Granitz: Direkt erreichbar ab Ostseebad Binz (ca. 3 km über den Hochufer-/Waldweg), Sellin (ca. 4 km) oder Lancken-Granitz. |
Praxis-Tipps für Besucher
- Beste Besuchszeit & Aussicht: An klaren Vormittagen oder im Spätsommer/Herbst. Bei guter Fernsicht reicht das 360-Grad-Panorama von der Turmplattform über ganz Rügen, die Boddengewässer, die Insel Vilm bis hin zu den Kirchtürmen der Hansestadt Stralsund.
- Anreise & Schlossexpress: Das Biosphärenreservat Granitz ist für den privaten Autoverkehr gesperrt. Wer nicht wandert oder mit dem Rad fährt, nutzt den Jagdschlossexpress (Tschu-Tschu-Bahn) ab Binz bzw. Großparkplatz Binz-Ost oder fährt stilvoll mit dem „Rasenden Roland“.
- Wichtiger Hinweis zum Turmaufstieg: Die filigrane Gusseisentreppe ist nach unten hin vollständig durchsichtig und windet sich an der Außenwand empor. Für Personen mit ausgeprägter Höhenangst oder Schwindelneigung ist der Aufstieg eine Herausforderung; festes, rutschfestes Schuhwerk ohne Absätze ist zwingend erforderlich.
- Verhaltensregeln im Naturschutzgebiet Granitz:
- Das gesamte Waldgebiet gehört zum Biosphärenreservat Südost-Rügen – bitte auf den befestigten Forst- und Wanderwegen bleiben.
- Fahrräder müssen am Schlosshof abgestellt werden; das Befahren des eigentlichen Schlossplateaus ist nicht gestattet..