Hintergrund & Entstehung / Geschichte
Geologische Entstehung: Die Bodden entstanden nach der letzten Weichsel-Kaltzeit im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs (Litorina-Transgression). Ursprünglich isolierte Inselkerne (wie Jasmund, Wittow und das Muttland) wurden durch Nehrungen – insbesondere durch die Schmale Heide und die Schaabe – allmählich zusammengeschlossen. Das abgetrennte Meerwasser bildete die heutigen Boddengewässer.
- Brackwasser-Ökologie & Austausch: Über den Breetzer Bodden und den Peenestrom steht der Große Jasmunder Bodden nur indirekt mit der offenen Ostsee in Verbindung. Dadurch weist er einen stark reduzierten, schwankenden Salzgehalt (ca. 6–8 PSU) auf. Die geringe Wassertiefe (durchschnittlich 3 bis 5 Meter, tiefste Stellen um 10 Meter) sorgt für eine rasche Erwärmung im Frühjahr, was ihn zu einer elementaren Kinderstube für Fische wie Hecht, Zander, Barsch und Hering macht.
- Kanalverbindung: Der Große und der Kleine Jasmunder Bodden sind bei Lietzow durch einen künstlich angelegten Bahndamm und die Bundesstraße B96 getrennt; eine Schleuse regelt dort den gezielten Wasseraustausch.
- Historische Nutzung: Bereits in der Slawenzeit boten die windgeschützten Buchten sichere Häfen. Im Spätmittelalter dienten die Boddengewässer den Vitalienbrüdern und Likedeelern um Klaus Störtebeker als ideale Schlupfwinkel vor der hanseatischen Flotte.
Standort / Wo auf Rügen zu finden
| Teilbereich / Uferort | Koordinaten & Lage | Charakteristik & Besonderheit |
|---|---|---|
| Großer Jasmunder Bodden (Ralswiek / Lietzow) | 54.4925° N, 13.4730° E | Größte Wasserfläche; Schauplatz der Störtebeker Festspiele an der Naturbühne Ralswiek; beliebter Ausgangspunkt für Boddenwanderungen. |
| Kleiner Jasmunder Bodden (Lietzow / Stedar) | 54.4428° N, 13.5186° E | Fast vollständig abgetrenntes, seichtes Stillgewässer mit ausgeprägten Röhricht- und Feuchtbiotopen südlich des Lietzower Damms. |
| Wanderbezug & Uferwege | Lietzow – Ralswiek – Buschvitz | Der durchgehende Bodden-Höhenwanderweg bietet weite Panoramablicke über das Wasser sowie Zugang zu bewaldeten Steilufern. |
Praxis-Tipps für Besucher
- Beste Besuchszeit: Frühjahr und Herbst. Während des Vogelzugs rasten tausende Kraniche, Gänse und Enten in den geschützten Buchten. Im Sommer lohnt sich der Besuch am frühen Morgen oder zum Sonnenuntergang, wenn das Wasser spiegelglatt ruht.
- Wandern & Radfahren: Die Route von Lietzow entlang des Ufers durch die Buchenwälder bis nach Ralswiek gehört zu den landschaftlich abwechslungsreichsten Wegen der Insel. Festes Schuhwerk ist ratsam, da die Uferpfade naturbelassen und teils wurzelig sind.
- Wassersport & Angeln: Für Motorboote gelten strenge Geschwindigkeits- und Zonierungsregeln. Das Angeln auf Großhechte und Zander ist legendär, erfordert jedoch eine gültige Ostsee-Küstengewässerkarte sowie die Beachtung saisonaler Schonzeiten und Schutzgebiete.
- Verhaltensregeln im Naturraum:
- Schilfgürtel meiden: Das Anlegen mit Booten, Stand-Up-Paddles oder Kanus in den dichten Schilfzonen ist verboten – sie dienen Vögeln als Brutplatz und Fischen als Laichzone.
- Hunde anleinen: Entlang der Boddendeiche und Feuchtwiesen gilt ganzjährige Leinenpflicht zum Schutz der Wiesenvögel und Weidetiere.