Hintergrund & Entstehung / Geschichte
- Architektur & Trichterbecherkultur: Die Grabanlagen entstanden im Mittelneolithikum (ca. 3500–2800 v. Chr.). Die Erbauer bewegten tonnenschwere, von eiszeitlichen Gletschern aus Skandinavien herantransportierte Findlinge mithilfe von Hebelbäumen, Holzrollen und Erdrampen.
- Typologie der Gräber: Das Areal umfasst verschiedene architektonische Grabformen:
- Erweiterte Dolmen: Aus mehreren Tragsteinen und mächtigen Decksteinen gebildete Grabkammern mit Zugang über einen kurzen Gang.
- Großdolmen: Längere Kammern, die oft von einem rechteckigen oder trapezförmigen Kranz aus Wächtersteinen (Hünenbett) eingefasst waren.
- Archäologische Funde: Bei systematischen Ausgrabungen (u. a. durch Ernst Sprockhoff im 20. Jahrhundert und Nachuntersuchungen in den 1960er-Jahren) fand man in den Kammern Nachbestattungen bis in die Bronzezeit. Zu den wichtigsten Funden zählen verzierte Keramikgefäße der Trichterbecherkultur, geschliffene Feuersteinbeile, Pfeilspitzen sowie Perlen aus Ostsee-Bernstein.
- Kulturelle Bedeutung: Die Anlagen waren keine anonymen Gräber, sondern monumentale Landmarken im Siedlungsraum, die Ahnenkult, Besitzansprüche über Land und den Übergang der Jäger- und Sammlergesellschaften zu sesshaften Bauern manifestierten.
Standort / Wo auf Rügen zu finden
| Merkmal | Details & Orientierung |
|---|---|
| Geografische Lage | Südöstlich des Ortes Lancken-Granitz, am Rande des Waldgebietes Granitz, Landkreis Vorpommern-Rügen |
| GPS-Koordinaten | 54.3644° N, 13.6331° E (Zentrales Gräberfeld) |
| Erreichbarkeit & Wanderbezug | Von der B196 in Lancken-Granitz biegt man südlich in Richtung Burtevitz ab. Direkt am Ortsausgang bzw. an den Feldrändern führt ein ausgeschilderter Wanderweg zu den beiden Hauptgruppen der Megalithen. Der Besuch lässt sich hervorragend mit einer Rundwanderung durch die Granitz oder zum Jagdschloss verbinden. |
Praxis-Tipps für Besucher
- Beste Besuchszeit: Frühling (während der Buschwindröschenblüte) oder Herbst bei schrägem Sonnenstand und leichtem Frühnebel. Zu diesen Zeiten kommt die mystische Atmosphäre der freistehenden Steine im Kontrast zu den Ackerflächen und Solitäreichen am intensivsten zur Geltung.
- Ausrüstung: Festes, wasserabweisendes Schuhwerk. Der Pfad zwischen den einzelnen Gräbern verläuft über unbefestigte Feld- und Wiesenwege, die nach Regenfällen aufweichen können.
- Fotografie: Ein Polfilter lohnt sich, um die Moos- und Flechtenstrukturen auf den grauen Granitfindlingen vor dem Himmel plastisch hervorzuheben.
- Verhaltensregeln & Denkmalschutz:
- Kletterverbot: Das Besteigen der Deck- und Tragsteine ist aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der jahrtausendealten Bausubstanz streng untersagt.
- Keine Bodenstörung: Die Grabanlagen sind streng geschützte Bodendenkmale. Grabarbeiten, das Suchen mit Sonden sowie das Entnehmen von Steinen oder Sedimenten stellen strafbare Handlungen dar.
- Rücksichtnahme: Bitte stets auf den ausgewiesenen Pfaden bleiben, um die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen und die Bodenvegetation zu schonen.