Hintergrund & Entstehung / Geschichte
- Machtzentrum neben Arkona: Während das Kap Arkona das sakrale Orakelzentrum bildete, lag in Charenza das weltliche Herz Rügens. Hier residierten die ranischen Fürsten (wie Jaromar I. und Tezlaw). Die Anlage sicherte mit ihrer strategischen Lage im Landesinneren die Herrschaft über das fruchtbare Binnenland.
- Architektur und Festungsbau: Die Burganlage bestand aus einer aufwendigen Holz-Erde-Konstruktion. Nach slawischer Manier wurden gewaltige Kastenwerke aus Eichenstämmen errichtet, mit Lehm und Erde verfüllt und durch natürliche Wasserläufe sowie Sümpfe geschützt. Ein Vorwall schützte die weitläufige Handwerker- und Händlersiedlung (Suburbium).
- Die Tempel der drei Götter: Chronist Saxo Grammaticus berichtete detailliert über die inneren Tempelbauten. Neben dem Fürstenpalast standen dort drei hölzerne Heiligtümer:
- Rugievit: Gottheit mit sieben Gesichtern unter einem Dach und sieben Schwertern an der Seite.
- Porevit: Fünfköpfige Gottheit ohne Waffen.
- Porenut: Viergesichtige Gottheit mit einem fünften Kopf auf der Brust.
- Das Ende im Juni 1168: Nach dem Fall der Jaromarsburg am Kap Arkona zogen König Waldemar I. und Bischof Absalon von Roskilde unmittelbar vor Charenza. Angesichts der dänischen Übermacht und des gefallenen Hauptheiligtums ergaben sich die Fürsten kampflos. Die Götzenbilder wurden zerschlagen und die Burg geschleift; die Fürsten nahmen die Taufe an und begründeten das christlich-dänische Lehensfürstentum Rügen.
Standort / Wo auf Rügen zu finden
| Merkmal | Details & Orientierung |
|---|---|
| Historische Zuordnung | In der archäologischen Forschung wird Charenza heute zweifelsfrei mit dem Burgwall bei Venz (Gemeinde Trent) identifiziert (früher teils fälschlich mit dem Burgwall Garz gleichgesetzt). |
| GPS-Koordinaten | 54.5161° N, 13.3486° E (Burgwall Venz) |
| Lage & Wanderbezug | Nordwestlich von Bergen, nahe der Ortschaft Venz am Neuendorfer See / Schaproder Bodden. Die Wallanlage liegt eingebettet in Niederungswiesen und ist über Feld- und Waldwege von Venz aus zu Fuß erreichbar. |
Praxis-Tipps für Besucher
- Beste Besuchszeit: Spätherbst, Winter oder frühes Frühjahr. Da der Burgwall dicht mit Laubbäumen und dichter Vegetation bewachsen ist, treten die gewaltigen Dimensionen des Erdwalls vor allem bei unbelaubtem Geäst plastisch hervor.
- Ausrüstung & Schuhwerk: Feste, wasserabweisende Wanderschuhe oder Gummistiefel sind ratsam. Die Wege führen durch feuchte Niederungen und können nach Regenfällen schlammig sein.
- Besucher-Hinweis: Vor Ort gibt es keine touristische Gastronomie oder inszenierte Schauflächen – Charenza ist ein weitgehend naturbelassenes, stilles Bodendenkmal für historisch interessierte Entdecker.
- Denkmalschutz: Die Wälle stehen unter strengem Denkmalschutz. Das Graben nach Fundstücken, der Einsatz von Metallsonden und das Befahren mit Mountainbikes oder Quads sind untersagt. Bitte stets auf den erkennbaren Pfaden bleiben.